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17 Fragen an… Dominik Schneider vom Sinnmacherblog

3. Juni 2008 Einsortiert in 17 Fragen an..., Cafegespräche

Zugegeben: wenn ich hier einen bloggenden Archäologen vorstellen könnte, wäre der Überraschungseffekt größer. Bei Medien- und Kommunikationswissenschaftlern ist es schlicht naheliegender, daß sie ihre Arbeit auch in einem Blog begleiten, kommentieren und präsentieren. Dennoch freue ich mich, daß mir heute Dominik Schneider Rede und Antwort steht. Denn damit darf die kleine Interview-Reihe gleich eine doppelte Premiere feiern: Dominik ist der erste Zivildienstleistende, den ich interviewe und zugleich der erste Eidgenosse. :-)

Zur Aufklärung: Dominik hat im Frühjahr sein Studium an der Uni Fribourg abgeschlossen und leistet derzeit noch seinen Zivildienst ab. Seitdem er aber im Rahmen seiner Master- bzw. Lizentitatsarbeit über die „Rezipienten von Corporate Blogs“ geforscht hat, hat ihn das Blogfieber gepackt. Rund um Corporate Blogs, Viral-Marketing und Social Software darf man in seinem Blog fast täglich interessante Notizen und Linkverweise lesen. Und der Untertitel des Sinnmacherblogs gefällt mir natürlich auch – er lautet: „Kommunikation ist die Aktualisierung von Sinn“.

In diesem Sinne: wir starten die Kommunikation…

Heute mit 17 Fragen an…

Dominik SchneiderDominik Schneider, liz.rer.soz.

Sinnmacherblog

Medien- und Kommunikationswissenschaftler

Bloggt seit: Januar 2008
Frequenz: 7.4 Posts/Woche
Wissenschafts-Café-Profil: hier

1. Worüber hast Du zuletzt gebloggt?

Über Corporate Blogs, was sonst ;o) ? Das Thema hat es mir seit einer Seminararbeit im Jahr 2006 angetan. Diese Inhaltsanalyse von Fortune 500 Blogs wurde dann von meiner Professorin als Grundlage für eine Publikation verwendet. Seither bin ich am Thema hängengeblieben und hab dann auch meine Abschlussarbeit darüber verfasst. Der aktuelle Blogeintrag befasst sich mit Tipps, Tricks und Diskussionen aus dem amerikanischen Beratermetier. Nichts weltbewegendes Neues, aber trotzdem gute Inputs für Leute, die sich gerne mit dem Thema befassen.

2. Wie erklärst Du beim Party-Small-Talk, womit Du dich wissenschaftlich beschäftigst?

Vor 2 Jahren wussten vielleicht 20% was ein Weblog ist. Heute hat fast jeder davon gehört.

Ich beginne mit der Frage, ob meine Gesprächspartner wissen, was ein Weblog ist. Vor zwei Jahren waren dies vielleicht 20%. Heute hat fast jeder schonmal davon gehört, was die weitere Erklärung vereinfacht: Ein Corporate Blog ist ein Weblog, das von einer Firma oder Oragnisation zur Kommunikation mit den Kunden oder Anspruchsgruppen eingesetzt wird (im Rahmen von PR oder Marketing z.B.). Dabei spielt der offene Austausch eine wichtige Rolle. Die Kunden werden aktiv um Ihre Meinung gefragt und können per Kommentar darauf antworten. Natürlich dürfen gute Beispiele wie der GM- , Daimler- oder Frosta-Blog nicht fehlen. Ausserdem interessiert mich v.a. wie die Rezipienten solche neue Kommunikationsinstrumente wahrnehmen und nutzen und wie sie auf sie wirken.

3. Schon einmal daran gedacht, die Wissenschaft an den Nagel zu hängen?

Jein… Also nach meinem Uni-Abschluss zieht es mich eg. eher in die Privatwirtschaft. Momentan leiste ich noch meinen letzten Zivildiensteinsatz bis Ende September. Das Angebot zum Doktorieren wurde mir zwar bereits unterbreitet. Ich bin mir aber noch nicht 100% schlüssig, wie es dann wirklich weitergeht. Auf jeden Fall habe ich grossen Spass an der Wissenschaft und auch mein Forschungsschwerpunkt (Online-PR, Corporate Blogs, Word-of-Mouth etc.) fasziniert mich. Also so oder so, in einem gewissen Sinne bleibe ich der Wissenschaft treu, auch wenn es „nur“ über den Sinnmacherblog sein wird.

4. Und womit ließe sich stattdessen die Zeit vertreiben?

Eben in der Privatwirtschaft: Online Kommunikationsberatung oder z.B. in einer Corporate Communications Abteilung (New Media). Natürlich sind auch Ferien hoch im Kurs ;o)

5. Das nervigste Detail am akademischen Betrieb?

Für viele Wissenschafter steht die eigene Reputation mehr im Vordergrund als die Forschungsarbeit selbst. Im Prinzip geht es doch wie beim Bloggen um Verlinkungen (Technorati Authority vs. Referenzen/Zitationen). Doch übel nehmen will ich dies niemandem – auch ich erfreue mich ob einer hohen Technorati Authority. Ausserdem ist es eine Bestätigung für gute Arbeit.
Ebenfalls fragwürdig ist der Scientific Slang. Kompliziert schreiben ist noch kein Beweis für Intelligenz. Komplexitätsreduktion nützt der Verständlichkeit.

6. Wie erklärt man in drei Sätzen, weshalb Wissenschaft dennoch faszinierend ist?

Man befasst sich mit z.T. sehr abgefahrenen Theorieansätzen und versucht diese auf eine allgemein verständliche Version herunterzubrechen. Das ist für mich eine Herausforderung – Wissenschaft für ein breiteres Publikum (und für mich selbst) lesbar und interessant zu gestalten. Schliesslich ist der Reiz neuer Erkenntnisse mein Treibstoff.

7. Die beste Antwort auf die Frage, was man unter „Web 2.0“ und/oder der „Blogosphäre“ versteht?

Ein Haufen Nerds die sich über nerdige Themen unterhalten ;o)  Nein im Ernst: Das Mitmachweb trägt meiner Meinung nach zu einer bisher nie dagewesenen Meinungsvielfalt bei (auch wenn es hier gleichfalls Gatekeeper und Meinungsführer (A-Blogs) gibt, die die Themen grösstenteils setzen). Idealtypisch gesprochen ist die Blogosphäre die Demokratisierung der Kommunikation: Jeder hat potenziell eine Stimme.

Idealtypisch gesprochen ist die Blogosphäre die Demokratisierung der Kommunikation: Jeder hat potenziell eine Stimme.

Trotzdem kommt es auch hier zu einer Vermachtung und zunehmenden Kommerzialisierung, die der Meinungsfreiheit und -Vielfalt entgegengesetzt, aber kaum zu vermeiden ist. Ich weiss selbst, wieviel Zeit das Bloggen in Anspruch nimmt, und deshalb will ich es niemandem übelnehmen, der sich damit einen Batzen verdienen will. Ebenfalls interessant ist die Entwicklung der Meinungsbeschaffung. Nicht nur verlagert sich diese ins Internet, sondern wird zunehmend durch die Nachfrage nach Spezialinteressen diversifiziert. Dies betrifft in zunehmendem Masse nicht-politische, politische und v.a. marktorientierte Organisationen. Diese müssen lernen, mit den neuen Kommunikationsverhältnissen umzugehen.

8. Auf welche Weise bist Du zum bloggen „verführt“ worden?

Wie oben bereits erwähnt, bin ich per Zufall über eine Seminararbeit zum Bloggen gekommen (die Inhaltsanalyse mit online Content war eine einfach zu realisierende Last-Minute-Notlösung…). Da fand ich plötzlich allerlei Informationen zu einem sehr spezifischen Thema, gratis im Netz. Als ich die Diskurse eine Weile verfolgt hatte, war ich der Meinung, ich könne meinen Senf ebenfalls dazugeben.

Ausserdem lag es irgendwie auf der Hand, ein studienbegleitendes Blog zu führen, wenn man über Blogs forscht. Ich habe es mir mittlerweilen auch zur Aufgabe gemacht, hin und wieder Zusammenfassungen verschiedener Blogeinträge zum selben Thema zu publizieren. Auch das ein Beitrag zur Komplexitätsreduktion. Ein Beispiel wäre die Beziehung zwischen Journalismus und Blogs.

9. Mehr als Kopfschütteln geerntet, als Du Kollegen von Deinem Blog erzählt hast?

Die finden es alle ziemlich cool und einige gehören sogar zu meinem Leserstamm.

10. Ein unschlagbares Argument für einen wissenschaftlichen Blog?

Teile Deine Erkenntnisse und erfahre von den Erkenntnissen anderer: Give a little and take a little!

11. Und das beste Argument dagegen?

Wen interessierts überhaupt? Braucht es bei der momentanen Fülle an Information („overnewsed but underinformed“) überhaupt noch mehr davon?

12. Interessanteste Begebenheit im Zusammenhang mit der Bloggerei?

Als ich die Studienergebnisse auf meinem Blog publiziert habe, stiess dies auf ungeahnt grosses Interesse. Während einer Woche war ich damit beschäftigt, Anfragen per E-Mail zu beantworten, Kontakte auf Xing zu bestätigen und Jobangebote geniessen zu dürfen. Leider kamen die meisten davon aus dem „entfernten“ Deutschland. Dies war u.a. ein eindrücklicher Beweis dafür, dass die Organisationskommunikation im Internet in der Schweiz noch in den Kinderschuhen steckt, und sich die Nachfrage nach „Spezialisten“ entsprechend verhält.

13. Sind Kommentatoren in Blogs nicht eigentlich störend?

Ganz und gar nicht. Ich freue mich über jeden Kommentar und hätte nichts dagegen, wenn es ein paar mehr wären. Die 10%-Regel bestätigt sich leider immer wieder. Die hochgepriesene Dialogizität in der Blogosphäre ist noch immer mehr Schein als Sein.

14. Bei welcher Gelegenheit, an welchem Ort fallen einem die besten (Blog-)Geschichten ein?

Meistens bei den gezielten oder ungezielten Erkundungstouren im Netz. Ausserdem abonniere ich eine Vielzahl an Blogs, Google Alerts und Newsletter. So kommt täglich eine Menge Information zusammen, die es dann zu filtern gilt. Oft hat man dafür leider nicht genügend Zeit. Gute Quellen sind auch Kollegen, die mich als inoffizielle Redaktion und im Rahmen von digitaler interpersonaler Kommunikation mit tollen News füttern. So sieht in etwa mein „Daily-Business-Blogging“ aus.

Für die wirklich guten Blog-Geschichten braucht es viel Zeit. Diese nehme ich mir, wenn ich der Meinung bin, dass über ein spannendes Thema unzählige Blogeinträge existieren, von denen man aber vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Ich verstehe den Sinnmacherblog sowieso grösstenteils als einen „Readers Digest“ der (Organisations-)Kommunikation im Web 2.0.

15. Haben Blogs Suchtpotential und wenn ja, was kann man dagegen tun?

Oh ja! Dagegen hilft nur das bewusste Ausschalten des Computers. V.a am Wochenende lasse ich das Bloggen (lesend und schreibend) meist ganz weg. Ausserdem würde ich es nicht auf die Bloggerei beschränken. Es handelt sich vielmehr um ein allgemeines Online-Suchtpotenzial.

16. Für welche nichtwissenschaftliche Thematik wärst Du als Blogger prädestiniert?

Als Corporate Blogger natürlich ;o) ich würde auch gerne über meine Hobbies bloggen: Fussball-Blog, Reise-Blog, Video/ -Schnitt-Blog, Fischer-Blog, Koch-Blog und ein Blog-Blog…

17. Und worüber werden wir niemals in Deinem Blog lesen?

Übers Stricken

Vielen Dank für Deine Antworten.

Zum Blog von Dominik geht es hier lang:
Sinnmacherblog

Zur Profilseite im Wissenschafts-Café (mit Bewertungsmöglichkeit).

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3 Antworten auf “17 Fragen an… Dominik Schneider vom Sinnmacherblog”

  1. Juri // 14. Juni 2008 | 15:28:

    Sorry, aber wer will diesen „schwachsinnigen Mist“ eigentlich wissen !?!?!? Vielleicht stellt ihr euch mal ernsthaft den Anforderungen eines Wissenschaftlers, anstatt pseudogelehrt rum zu schwadronieren !!!


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  • Das Interview über mich im Wissenschafts-Café……

    …gibts hier.

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