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13 Fragen an… Gunnar Ries von Mente et Malleo

16. November 2011 Einsortiert in Cafegespräche

Es wird wieder Zeit für Blogger-Interviews! Bereits 2007 und 2008 wollte ich hier im Wissenschafts-Café von bloggenden Wissenschaftlern wissen, wie sie überhaupt zum Bloggen gekommen sind, was sie motiviert oder frustriert und für welche nicht-wissenschaftlichen Themen sie sich interessieren.

Ab sofort werde ich an dieser Stelle wieder neugierige Fragen an Wissenschaftsblogger stellen. Den Anfang macht heute Gunnar Ries. Der Geowissenschaftler aus Hamburg ist einer der Aktivposten der deutschen Wissenschaftsblogosphäre. Seit rund fünf Jahren bloggt er hauptsächlich über Neuigkeiten aus dem weiten Feld der Geowissenschaften: von der Mineralogie über die Paläontologie bis zur Vulkanologie deckt er dabei ein beachtliches Themenspektrum ab. Und wenn Gunnar etwas spannendes zur Klimaforschung zu sagen hat, dann gibt’s dazu natürlich auch bald einen Blogpost von ihm zu lesen.

Gunnar promovierte 2010 am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum in Hamburg. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit “Prozessen und Produkten der chemischen Verwitterung an Karbonatitrümpfen – Beispiele aus Uganda und Tansania”.

Gunnar RiesDr. Gunnar Ries
Geowissenschaftler

Blogs:
Mente et malleo (Scilogs)
Amphibol

1. Worüber hast Du zuletzt gebloggt?

Die letzten Themen waren eher weniger geologischer Natur. Die Zunahme an Masernerkrankungen und ihre Folgen, besonders für noch nicht impffähige Babies. Das Thema hat mich ein wenig aufgeregt, da hier anti- Impfungs Ideologie eindeutig auf dem Rücken von den schwächsten ausgetragen wird. Um ein vermeintliches Restrisiko bei Impfungen zu vermeiden werden Kinder unter einem Jahr einem massiven Risiko ausgesetzt, an Masern zu erkranken und eventuell noch Jahre später an Subakuten Sklerosierenden Panenzephalitis zu sterben. Das Risiko liegt bei 1:5000, neueren Schätzungen sogar bei rund 1:200. Diese Spätfolge ist immer tödlich und kann derzeit weder gestoppt noch geheilt werden.

Das letzte geologische Thema war der neue Vulkan vor El Hierro. Das Thema wird sicher auch noch zu weiteren Beiträgen führen. Und auch die Suche nach einem geeigneten Endlager für unsere Radioaktiven Abfälle wurde gerade etwas kontroverser bei uns auf den Scilogs diskutiert worden.

2. Wie erklärst Du beim Party-Small-Talk Dein wissenschaftliches Fachgebiet?

Mein derzeitiges Gebiet? Das geht eigentlich immer recht schnell. Zum Thema Asbest kommen eigentlich immer schnell Gespräche auf, das ist ein Thema, das viele Menschen bewegt. Mein Thema an der Uni war da schon ein wenig komplizierter. Man nehme eines der seltensten Gesteine, und davon auch nur die Verwitterungsprodukte…. Aber bei dem Stichwort Rohstoffe, Seltene Erden und Coltan war den meisten dann doch klar, dass hier nicht nur akademische Spezialinteressen zum Tragen kamen.

3. Du hast vor einigen Monaten der Uni den Rücken gekehrt. War der Wechsel in die freie Wirtschaft schon länger geplant?

Im Prinzip schon. Für die meisten Stellen im universitären Bereich wurde ich langsam ein wenig zu alt. Und irgendwann ist man ja auch nicht mehr so flexibel, um ständig in wechselnden Städten befristet zu arbeiten.

4. Was müsste passieren, damit Du beruflich wieder zurück an die Uni oder ein Forschungsinstitut wechselst?

Oh jeh! Da mir meine Arbeit viel Spass macht und ich mich dort ziemlich wohl fühle, müsste da schon einiges kommen…

5. Wie bist Du überhaupt zum Bloggen gekommen?

Ich würde das ja gerne auch meine kleine Profilneurose schieben. Ich hab immer gerne geschrieben, und dabei natürlich vornehmlich aus meinem Fachgebiet. Das fing auf meiner alten Webseite an und da war das Bloggen eigentlich wie geschaffen für mich. Ich hab einfach Spaß an den Geowissenschaften und ein unheimliches Mitteilungsbedürfnis darüber.

Es hat mich manchmal ein wenig geärgert, dass weder Profs, noch Kollegen meinen Wissenschaftsblog zu Kenntnis genommen haben.

6. Wissen Deine Arbeitskollegen von Deinem Blog und wenn ja, lesen die (vielleicht sogar regelmäßig) mit?

Ich denke schon. Das ist ein offenes Geheimnis. Zumindest mein Chef hat mal reingeschaut. Ob sonst noch jemand mit liest, weiß ich nicht.

7. Wie war das zu Deinen Unizeiten? Gab es mal Feedback von Professoren oder Fachkollegen?

Da war, gelinde gesagt, Schweigen im Walde. das hat mich schon manchmal ein wenig geärgert. Weder Profs, noch Kollegen, noch Studenten. Web 2.0 fand, nicht statt.

8. Ein unschlagbares Argument für ein wissenschaftliches Blog?

Ich weiß nicht, ob es da unschlagbare Argumente gibt. Aber ich finde, es gibt wenig bessere Möglichkeiten, auch mal kleinere Themen oder Zusatzinformationen zu publizieren und dabei so direkt mit dem Leser zu interagieren.

9. Und das beste Argument dagegen?

Vielleicht eine Art Reizüberflutung. Es gibt wohl kaum ein Thema, zu dem es nicht in diversen Blogs jede noch so kontroverse Meinung gibt. Da fehlt dann so etwas wie ein Qualitätsmanagement und dem Leser fällt es schwer, die einzelnen Argumente und Informationen zu wichten. Hier wird die Bedeutung entsprechender Blogportale deutlich.

10. Bei welcher Gelegenheit oder an welchem Ort fallen Dir die besten (Blog-)Geschichten ein?

Das ist eigentlich ziemlich trivial. Beim Lesen anderer Blogs.

Ich würde sagen, dass Blogger so eine Art Vor- bzw. Nachhut der Wissenschaftsjournalisten sind.

11. Was könnten Wissenschaftsjournalisten Deiner Meinung nach von Bloggern lernen?

Da habe ich mir noch ziemlich wenige Gedanken gemacht. Ich würde aber sagen, dass Blogger so eine Art Vor- bzw. Nachhut der Wissenschaftsjournalisten sind. Man kann in den Blogs vielleicht die interessanten Themen von Morgen erkennen. Und als Blogger kann man ja auch mal größere Artikel von den professionellen Kollegen aufgreifen, Zusatzaspekte abhandeln oder kritisieren. Ich sehe das weniger als eine Konkurrrenzsituation an.

12. Für welche nichtwissenschaftliche Thematik wärst Du als Blogger prädestiniert?

Ich habe noch einen kleinen Fotoblog, auf dem ich in ziemlich loser Folge ab und an einige meiner Fotos vorstelle.

13. Und worüber werden wir niemals in Deinem Blog lesen?

Oh, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Im Prinzip könnte da fast alles vorkommen. Aber Gebiete, auf denen ich absolut keine Ahnung habe, da halte ich dann doch lieber meine Klappe.

Vielen Dank für Deine Antworten.

Zu den Blogs von Gunnar geht es hier lang:
Mente et malleo (Scilogs)
Amphibol

Die Fragen stellte Marc Scheloske von der Wissenswerkstatt.

1 Antwort auf “13 Fragen an… Gunnar Ries von Mente et Malleo”

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