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17 Fragen an… Florian Freistetter von “Astrodicticum Simplex”

14. Juli 2008 Einsortiert in 17 Fragen an..., Cafegespräche

Einer der absoluten Aktivposten unter den wissenschaftlichen Bloggern ist Florian Freistetter. Die Blogkarriere des Astronomen begann erst im Februar – aber seitdem hat er in 122 Artikeln mit viel Leidenschaft über Wissenschaft gebloggt und für Wissenschaft gestritten.

Der Astronom, der in Wien studiert und promoviert hat (inzwischen aber in Jena über die Dynamik extrasolarer Planeten forscht), gibt seinen Lesern regelmäßig tolle Einblicke in sein Fachgebiet. Und wenn es um astrologische Prognosen oder Versprechungen der Alternativmedizin geht, dann läuft Florian regelmäßig zu Hochform auf.

Aber gelegentlich zeigt der streitbare Wissenschaftsfan auch seine “weiche” Seite – wenn er etwa sein Space-Shuttle aus Plüsch präsentiert

Höchste Zeit also, um dem bloggenden Multi-Talent die 17 Fragen zu stellen…

Florian FreistetterDr. Florian Freistetter
Astronom, Jena
Astrodicticum Simplex

Bloggt seit: Februar 2008 (seit 16.4. bei ScienceBlogs)
Posts: insgesamt 122 Posts
Wissenschafts-Café-Profil: hier

1. Worüber hast Du zuletzt gebloggt?

Mein letzter Blogeintrag war ein Hinweis auf die vierte Ausgabe des Blog-Teleskops. Der letzte längere Artikel was aus meiner samstäglichen Serie: “Der Stern zum Wochenende”. Ich habe etwas über den Stern HE 1327-2326 geschrieben, der der derzeit älteste bekannte Stern ist!

2. Wie erklärst Du beim Party-Small-Talk, womit Du dich wissenschaftlich beschäftigst?

Also früher, als ich mich noch hauptsächlich mit erdnahen Asteroiden und deren Kollisionen mit der Erde beschäftigt habe, war es einfach. Bei diesem Thema versteht jeder gleich worums geht. Aber prinzipiell habe ich beim “Party-Small-Talk” wenig Probleme – Über Astronomie redet es sich immer leicht (abgesehen davon sollte man es auf Parties sowieso vermeiden, über die Arbeit zu reden…)

3. Schon einmal daran gedacht, die Wissenschaft an den Nagel zu hängen?

Ja, schon ab und zu. Vor allem immer dann, wenn ich mich wieder mit befristeten Stellen und Projektanträgen herumärgern muss. Aber eigentlich ist die Wissenschaft mein Traumberuf – und solang ich die Möglichkeit habe zu forschen, werde ich das auch tun.

4. Und womit ließe sich stattdessen die Zeit vertreiben?

Da gäbs schon einiges. Die journalistische Arbeit hat mich immer schon interessiert. Aber ich denke, ich könnte z.B. auch als Gärtner ein zufriedenes Leben führen.

5. Das nervigste Detail am akademischen Betrieb?

Die befristeten Arbeitsverträge machen eine vernünftige Lebensplanung unmöglich!

Die befristeten Arbeitsverträge! Die machen eine vernünftige Lebensplanung unmöglich – und wenn man sich alle 2 Jahre erneut damit beschäftigen muss, Geld aufzutreiben, leidet darunter auch die Wissenschaft.

6. Wie erklärt man in drei Sätzen, weshalb Wissenschaft dennoch faszinierend ist?

Gibt es was faszinierenderes als sich mit Dingen zu beschäftigen, mit denen sich noch nie jemand vorher beschäftigt hat? Dinge herauszufinden, die noch keiner vor einem gewußt hat? Und die Hoffnung haben zu dürfen, irgendwann vielleicht doch etwas richtig WICHTIGES zu entdecken?

7. Die beste Antwort auf die Frage, was man unter “Web 2.0” und/oder der “Blogosphäre” versteht?

Das Internet ist durch Blogs viel interessanter geworden.

Hmm – “Web 2.0” und die Blogs haben dazu geführt, dass sich im Prinzip jeder zu allem äußern und das dann auch weltweit publik machen kann. Früher konnte man höchstens nen Leserbrief an die Zeitung schreiben, wenn man was zu sagen hatte – heute macht man ein Blog auf. Auch wenn dadurch viel Schwachsinn publiziert wird: prinzipiell finde ich die Entwicklung aber positiv. Das Internet ist durch Blogs und andere “Mitmach-Applikationen” viel interessanter geworden als vorher.

8. Auf welche Weise bist Du zum bloggen “verführt” worden?

Ich hab mich eigentlich aus eigenem Antrieb dazu entschlossen, ein Blog zu schreiben. Als ich mangels Anstellung nicht mehr in den laufenden Universitätsbetrieb eingebunden war und so auch nicht mehr den ständigen Kontakt und Austausch mit den Kollegen hatte, dachte ich, es wäre eine gute Idee, diesen Austausch im Internet zu suchen. Ausserdem halte ich es generell für eine gute Idee, Wissenschaft und Forschung möglichst öffentlich zu betreiben.

9. Mehr als Kopfschütteln geerntet, als Du Kollegen von Deinem Blog erzählt hast?

Eigentlich hatte ich nur positive Reaktionen. Viele meiner Kollegen lesen, was ich schreibe. Und meine ehemaligen Chefs kamen gleich mit Themenvorschlägen für Beiträge zu mir.

10. Ein unschlagbares Argument für einen wissenschaftlichen Blog?

Man kann damit eine Öffentlichkeit erreichen, die mit normalen wissenschaftlichen Publikationsmethoden nie zu erreichen wäre. Öffentlichkeitsarbeit ist für die Wissenschaft so wichtig wie nie zuvor: obwohl wir in einer Welt leben, die komplett von Wissenschaft und Technik dominiert ist, wissen immer weniger Menschen darüber Bescheid; viele stehen der Wissenschaft sogar regelrecht feindlich gegenüber.

Wissenschaftliche Blogs sind eine Möglichkeit, den Menschen die Wissenschaft auf einer persönlichen Ebene näherzubringen.

Wissenschaftliche Blogs sind eine Möglichkeit, den Menschen die Wissenschaft auf einer persönlichen Ebene wieder etwas näher zu bringen. Und wer weiß, vielleicht sind bloggende Wissenschaftler irgendwann etwas ganz normales und Wissenschaftsblogs dann auch für die Forschung selbst nützlich.

11. Und das beste Argument dagegen?

Bloggen kostet Zeit. Und auch wenn gutes wissenschaftliches Bloggen letztendlich auch der Wissenschaft selbst zugute kommt, zählen im wissenschaftlichen Betrieb ja doch nur die “echten” Publikationen. Verwendet man zuviel Zeit für das Bloggen, kann das also der eigenen Karriere schaden – leider.

12. Interessanteste Begebenheit im Zusammenhang mit der Bloggerei?

Also ich fand es toll, dass ich durch das Bloggen die Möglichkeit hatte, an einer sehr exklusiven Konferenz teilzunehmen. Und meine astrologie-kritischen Beiträge haben dazu geführt, dass mir ein Astrologe ein Horoskop geschenkt hat ;)

13. Sind Kommentatoren in Blogs nicht eigentlich störend?

Nein – und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es Blogger gibt die so empfinden. Blogs ohne Rückmeldungen der Leser machen für mich auch keinen Sinn.

14. Bei welcher Gelegenheit, an welchem Ort fallen einem die besten (Blog-)Geschichten ein?

Eigentlich überall. Auf dem Fahrrad, beim Lesen, beim Fernsehen, beim Kochen…

15. Haben Blogs Suchtpotential und wenn ja, was kann man dagegen tun?

Ja, Suchtpotential besteht durchaus. Am besten ist es, man lässt sich nicht zu sehr von der Blogosphäre vereinnahmen. Man muss nicht alles kommentieren und man muss nicht auf alles reagieren. Auch wenn das SIWOTI-Syndrom manchmal sehr hartnäckig sein kann.

16. Für welche nichtwissenschaftliche Thematik wärst Du als Blogger prädestiniert?

Bücher vielleicht? Genaugenommen arbeite ich zur Zeit sogar an einem kleinen Nebenprojekt – das wird dann ein absolut nichtwissenschaftliches Blog werden – aber hoffentlich trotzdem interessant!.

17. Und worüber werden wir niemals in Deinem Blog lesen?

Ich würde da jetzt mal nichts ausschliessen. Lustige Katzenbilder wird es bei mir aber höchstwahrscheinlich nie geben (obwohl… ein paar gute hätte ich da schon in meiner Sammlung ;) )

Vielen Dank für Deine Antworten.

Zum Blog von Florian geht es hier lang:
Astrodicticum Simplex

Zur Profilseite der Scienceblogs im Wissenschafts-Café (mit Bewertungsmöglichkeit).

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3 Antworten auf “17 Fragen an… Florian Freistetter von “Astrodicticum Simplex””

  1. Fischer // 14. Juli 2008 | 14:30:

    Was, keine LOLcats bei Astrodicticum? Da entgeht uns allen aber was… ;)


  2. Markus Trapp // 17. Juli 2008 | 11:45:

    Danke für das Interview und die ebenso interessanten wie (für das wissenschaftliche Bloggen) Mut machenden Antworten.


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