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17 Fragen an… Paula Schramm von “Dr. Emmas Chemielabor”

30. September 2008 Einsortiert in 17 Fragen an..., Cafegespräche

Seit über 4 Jahren ist Paula Schramm bereits als Bloggerin aktiv. Und die Adresse ihres Blogs – www.hdreioplus.de – läßt schon erkennen, welcher Profession die Stuttgarterin zugehört: der Chemie.

Als Doktorandin versucht sie herauszufinden, welche besonderen Eigenschaften das Molekül Diazaphosphol hat. In ihrem wissenschaftlichen Blog, der seit wenigen Tagen unter dem Etikett “Dr. Emmas Chemielabor” in neuem Glanz erstrahlt, beackert sie aber ein viel weiteres Feld. Alle Neugierigen, die wissen wollen, warum Seife sauber macht und Bäume grün sind, sollten sich Paulas bzw. Emmas Blog schnellstens ansehen – und zuvor das kurze Interview lesen:

Paula SchrammPaula Schramm
Diplom-Chemikerin

Dr. Emmas Chemielabor
Loveletters

Bloggt seit: Juni 2004
Blogposts seitdem: 500
Wissenschafts-Café-Profil: hier

1. Worüber hast Du zuletzt gebloggt?

Zuletzt habe ich darüber gebloggt was Chemie eigentlich ist und womit sie sich beschäftigt. Das scheint vielen Menschen nicht so klar zu sein und trägt zu der Furcht vor “Chemie” und dem Fach bei.

2. Wie erklärst Du beim Party-Small-Talk, womit Du dich wissenschaftlich beschäftigst?

Immer wieder war ich mit blanken Gesichtern konfrontiert wenn ich sagte, dass ich Chemikerin bin.

Diese Frage ist in sofern lustig, weil es genau die Frage war, die mich zum bloggen über Chemie gebracht hat. Immer wieder war ich mit blanken Gesichtern konfrontiert wenn ich sagte, dass ich Chemikerin bin.

Für die Personen, die genauer wissen wollen was ich tue, habe ich folgende Antwort: Also, ich hab da ein spezielles Molekül, das heißt 1,2,4-Diazaphosphol. Es könnte genausogut aber auch Petra heißen. Über Petra ist nicht so viel bekannt, aufgrund ihrer Konfiguration und Elektronenverteilung vermuten wir aber, dass sie tolle Eigenschaften hat. Deshalb nehmen wir Petra und z.B. Metallsalze, rühren die zusammen und gucken was dabei rauskommt. Dann verändern wir Petra ein bisschen und gucken dann, wie sich die Reaktionen verändern. Das gucken ist der schwierige und langwierige Teil.

3. Schon einmal daran gedacht, die Wissenschaft an den Nagel zu hängen?

Hehe. Ich glaube das hat Jede und Jeder von uns schon einmal getan. Bei mir liegt das aber selten an der Wissenschaft, sondern eher an den Strukturen, die den akademischen Betrieb begleiten. Ich rede und zeige sehr gerne, wie Wissenschaft funktioniert, deshalb habe ich auch schon überlegt, ob ich statt zu forschen mich eher mit Wissenschaftskommunikation auseinander setze und damit meine Brötchen verdiene. (Wenn ich jemanden finde der mich dafür bezahlt.)

4. Und womit ließe sich stattdessen die Zeit vertreiben?

Die Antwort steckt ja schon in der ersten Frage: Wissenschaftskommunikation. Alternativ könnte ich mir auch ein Zweitstudium vorstellen.

5. Das nervigste Detail am akademischen Betrieb?

Mich nervt die Intransparenz. Die Geheimnistuerei was Uni- und Drittmittel angeht und um das, was geforscht wird.

Die Intransparenz. Mich stört die Geheimnistuerei was Uni- und Drittmittel angeht, genauso wie die Geheimnistuerei um das, was geforscht wid. In der Chemie ist das besonders schlimm. Es erinnert mich immer an die Alchemisten, die mit ihrer mystischen Sprache vor allem ihr Wissen verschleiert haben.

6. Wie erklärt man in drei Sätzen, weshalb Wissenschaft dennoch faszinierend ist?

Wissenschaft ist nicht der akademische Betrieb. Wissenschaft ist eine Methode, um systematisch die Schönheit und Erhabenheit der Natur zu betrachten. Die Aussicht mit meiner Arbeit einen kleinen Teil zum Verständniss der Natur und zur Weltrettung beizutragen, ist unheimlich motivierend.

Wissenschaft ist eine Methode, um systematisch die Schönheit und Erhabenheit der Natur zu betrachten.

7. Die beste Antwort auf die Frage, was man unter “Web 2.0” und/oder der “Blogosphäre” versteht?

Web2.0 bedeutet einfach nur, dass ich nicht mehr nur Konsumment von fremden Inhalten bin, sondern dass ich selber Inhalte erstelle. Ich werde selber kreativ und kann in einen Dialog mit anderen Personen treten.

8. Auf welche Weise bist Du zum bloggen “verführt” worden?

Eine Freundin hat gebloggt und ich fand den one-to-many Kommunikationsaspekt toll.

9. Mehr als Kopfschütteln geerntet, als Du Kollegen von Deinem Blog erzählt hast?

Ich weiß immer noch nicht, was mutig daran sein soll, sein Wissen mitzuteilen.

Ja. Dem einen oder der Anderen musste ich das erst genauer erklären was das ist, aber einige haben sich auch darüber gefreut, wie mutig ich bin. Wobei ich immer noch nicht weiß, was mutig daran ist, sein Wissen mitzuteilen.

10. Ein unschlagbares Argument für einen wissenschaftlichen Blog?

Ein wissenschaftliches Blog kann so viele Ausprägungen haben. Es kann als Laborbuch dienen. Es kann Diskussion erzeugen. Es kann die Prozesse und Themen der Wissenschaft transparenter machen und so mehr Unterstützung für Forschung in der Bevölkerung erzeugen. Und noch was: Man lernt mit dem bloggen, klar zu kommunizieren.

11. Und das beste Argument dagegen?

Die Zeit. Es ist manchmal zeitaufwendig, allerdings kann man dann ja auch eine kleine Pause machen und weiter schreiben, wenn’s besser ist.

12. Interessanteste Begebenheit im Zusammenhang mit der Bloggerei?

Die vielen tollen Leute, die ich übers Bloggen getroffen habe. Einige meiner engsten Freundschaften habe ich übers Bloggen begonnen.

13. Sind Kommentatoren in Blogs nicht eigentlich störend?

Was ist denn das für eine komische Frage? Nein, natürlich nicht. Die Ausseinandersetzung und die Diskussionen sind doch das schönste am Bloggen.

14. Bei welcher Gelegenheit, an welchem Ort fallen einem die besten (Blog-)Geschichten ein?

Bei Fragen von Menschen über Chemie, oder auch auf dem Nachhauseweg nach einem anstrengenden Tag.

15. Haben Blogs Suchtpotential und wenn ja, was kann man dagegen tun?

Ich möchte diese Art zu kommunizieren und informiert zu werden nicht missen, als Sucht würde ich das aber nicht bezeichnen.

16. Für welche nichtwissenschaftliche Thematik wärst Du als Bloggerin prädestiniert?

In meinem persönlichen Blog streife ich viele Themen, Schokolade, Politik, das Leben als Wissenschaftlerin und auch Reiseberichte. Also besonders für Reiseberichte bin ich prädestiniert, also wenn da irgendwer einen Job hat, meine Adresse ist im Impressum zu finden. ;)

17. Und worüber werden wir niemals in Deinem Blog lesen?

Meine Mama hat mir beigebracht, sage niemals nie.

Vielen Dank für Deine Antworten.

Zum Blog von Paula geht es hier lang:
Dr. Emmas Chemielabor

Zur Profilseite im Wissenschafts-Café.

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14 Antworten auf “17 Fragen an… Paula Schramm von “Dr. Emmas Chemielabor””

  1. DerOli // 1. Oktober 2008 | 00:30:

    Bei aller Offenheit gegenüber der Wissenschaftsblogszene und trotz (oder vielleicht gerade wegen) meines Interesses an Wissenschafts- kommunikation möchte ich doch einige kritische Anmerkungen machen.
    So wie Dr. Emmas Chemielabor ausgelegt ist, geht es hier NICHT um Wissenschaft. Es wird doch “lediglich” Chemie im Alltag thematisiert; aufgepeppt mit Experimenten die jeder nachmachen kann. Ohne mir ein Urteil über Sinn und Unsinn zu erlauben, hat das Ganze mit Wissenschaft genausoviel zu tun wie die Sendung mit der Maus. Wenn wir der Bevölkerung erzählen dies wäre Wissenschaft, werden uns bald auch noch die letzten Forschungsgelder gekürzt.
    Ebenso kommt sich der steuerzahlende Nachbar veralbert vor, wenn man Ihm Geschichten von Petra erzählt. Das nimmt Ihm bestimmt nicht die Angst vor der bösen Chemie. Zumindest muss man vorsichtig damit sein!
    Und der Grund, dass die Verbindung nicht Petra heißt, ist nicht, dass sich die mystischen Alchemisten im Elfenbeinturm unverständlich machen wollen. Im Gegenteil! Die exakte Wissenschaft Chemie bedient sich einer klar geregelten Sprache DAMIT man sich unter “Profis” unmissverständlich ausdrücken kann. Mir als Chemiker ist also sofort klar (oder ich kann zunmindest nachschlagen) um welche Verbindung es sich bei 1,2,4-Diazaphosphol handelt. Dazu ist selbstverständlich eine gewisse Grundbildung nötig, aber manche Dinge sind eben zu komplex um sie jedem Laien verständlich machen zu können/müssen. Wir machen ja auch Wissenschaft und nicht die Sendung mit der Maus…


  2. Paula Schramm // 1. Oktober 2008 | 11:31:

    Du hast ja recht, aber zwei Sachen: Erstens ist es wichtiger ein Gefühl dafür zu vermitteln was Chemikerinnen so machen und was der Sinn meiner Arbeit ist, als zu erklären was hinter dem Namen steht. Für die Person der ich das erkläre ist das erstmal egal. Veralbert kommen sich die Leute nicht vor, im Gegenteil sie sind froh, dass sie mal jemand ernst genug nimmt sich die Mühe zu machen die Forschung auf ihr Wissensniveau herunter zu brechen. Und ihnen klar zu machen das Grundlagenforschung sein muss ist, zwecks Finazierung, eine sehr wichtige Aufgabe. Ich bin darin bisher sehr erfolgreich gewesen. Das manche Sachen zu komplex sind um sie jedem zu erklären ist richtig, aber Chemische Nomenklatur gehört nicht dazu. In Blooms Taxonomy ist das auch nur ein Lernziel Stuffe eins.

    Zweites kenne ich mehr als eine Person die ihr Interesse an Wissenschaft in der Sendung mit der Maus gefunden hat, oder alternativ bei Peter Lustig. Es ist extrem wichtig zu erklären was wie funkioniert und warum. Wer nicht versteht hat Angst, wer versteht kann seine Furcht überwinden.

    Jetzt kommt sogar noch ein drittens. Abwarten. Das Blog ist gerade erst gestartet. Geplant sind Artikel aus verschiedenne Themengebieten, die in ihrer Gesamtheit ein Bild und Gefühl dafür vermitteln was Chemie ist und wie sie funkioniert etc. Du bist natürlich herzlich eingeladen einen Gasbeitrag zu schreiben darüber warum du Chemie toll findest und was du arbeitest.


  3. DerOli // 2. Oktober 2008 | 18:54:

    Zweitens, bin ich selbst lustiger Mausjünger und möchte nicht generell als Kritiker Deines Blogs auftreten. Es ist aber eben so, dass auch ein “Mausblog” mit Achim nicht als wissenschaftlicher Blog gelten sollte. Im Grunde liegt der schwarze Peter ja beim “Maître de” des Cafés hier und dessen Einleitung.
    Drittens kann sich das Profil des Blogs selbstverständlich noch ändern, aber die Ausrichtung, die Du selbst vorgibst ist eben doch löwenzahnesque: “Hast du dich schon immer gefragt warum Seife sauber macht? Wieso die Bäume grün sind? Und warum beim Feuerwerk die Funken so schön sprühen? Dann bist du hier genau richtig. Hier wird Chemie erklärt. Und ausprobiert.”
    Erstens hast auch Du recht, wenn Du Leuten ein Gefühl für Chemie und Petra gibst. Ich selbst habe als Anti-alchemist jahrelang erzählt, dass ich aus Gold weißes Pulver mache. Aber(!) es ist ein Unterschied ob ich das auf eine Party in Cannstatt erzähle oder ins Internet schreibe. Deshalb mahnte ich zur Vorsicht.
    Letztens (naja, ist leider schon etwas länger her) habe ich dem Marc versprochen in seiner Wissenswerkstatt meine Sicht der Dinge niederzuschreiben. Bevor das nicht geschehen ist vermerke ich Dein Angebot mit den besten Absichten auf meiner “zu publizieren”-Liste.


  4. Jan Theofel // 2. Oktober 2008 | 23:20:

    Ich finde den Weg, den Paula beschreitet richtig. Und zwar sowohl auf der Party, als auch im Internet. Wissenschaft kann man auf vielen Levels betreiben.

    Untereinander verwendet ihr eure Chemiker-Sprache, die ich nicht verstehe. Das ist ok. Das ist Wissenschaft.

    Wenn sie mit mir redet, macht sie das so, dass ich es verstehe. Ich bin zwar kein High-End-Wissenschaftler, aber so eine gewisses Grundwissen (beispielsweise von Physik Turnieren) ist da. Das ist ok. Das ist Wissenschaft.

    Und wenn Paula bloggt, warum soll sie nicht so bloggen, dass es jeder verstehen kann? Das ist auch ok. Das ist auch Wissenschaft.

    Denn in allen Bereichen schafft Paula Wissen – also ganz wörtliche Wissenschaft.

    Natürlich ist das was ihr macht nicht in einfache Worte zu fassen, wenn es ein Laie verstehen soll. Aber ich finde gerade die Kommunikation nach Außen von komplexen Sachverhalten einfach darzustellen einen wesentlichen Bestandteil der Wissenschaft. Nur so kann es gelingen andere Menschen für die Wissenschaft zu gewinnen. Und nur wer für die Wissenschaft gewonnen wird, kann später einmal auf eurem Level mitreden.


  5. DerOli // 3. Oktober 2008 | 13:43:

    Ach so einfach ist das??!? Dann ist ja meine ehemalige Kunstlehrerin auch Wissenschaftlerin. Oder vielleicht doch nicht? Vielleicht reden wir hier von Wissensvermittlern? Es wird nämlich bestehendes Wissen verständlich gemacht. Und auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Das ist gut, aber keine Wissenschaft – finde ich.

    Was Petra angeht: Stell Dir mal vor Du wärest nicht Physikturner und naturwissenschaftsaffin (denn DICH müssen wir mit Wissenschaftskommunikation nicht mehr erreichen) sondern eher damit bemüht mit staatlicher Unterstützung über die Runden zu kommen. Dein Bild von den überheblichen “Studierten” ist ohnehin nicht das Beste und jetzt erzählen die Dir auch noch, dass sie für tausende Euros an “Petra” rumforschen, die total tolle Eigenschaft hat, aber eigentlich zu nichts zu gebrauchen ist. Da muss man vorsichtig sein!

    Zum Schluss noch eine allgemeine Anmerkung: Wenn das Ziel sein soll der Gesellschafft Verständnis für Wissenschaft zu vermitteln (dazu muss die Materie gar nicht notwendigerweise verstanden werden, sondern nur dass es sich lohnt in Wissenschaft zu investieren – und das ist meines Erachtens die Aufgabe der Wissenschaftskommunikation) fände ich es besonders wertvoll, wenn man präsentieren würde aus welchen zunächst nutzlosen Entdeckungen heute unverzichtbare Anwendungen entstanden sind. Es muss nämlich klar gemacht werden, dass die Frage “Und wozu ist das gut?” erst im Rückblick beantwortet werden kann. Folglich macht jegliche Art von Forschung Sinn auch wenn auf den ersten Blick kein Geld dabei herausspringt (meistes sogar das Gegenteil). DAS gilt es der Welt zu vermitteln! Wie Backpulver funktioniert oder warum ein Baum grün ist wurde im Internet und in der Schule dagegen schon tausendmal erklärt und bringt Wissenschaft und Gesellschaft kein Stück näher zusammen.


  6. Marc // 4. Oktober 2008 | 14:22:

    Entschuldigt, daß ich mich erst jetzt in die interessante Diskussion einschalte, aber der Reihe nach:

    @Oli:

    Ich kann Deine Einwände durchaus nachvollziehen, denn sicherlich gibt es ständig Debatten darüber, was die Wissenschaftler mit den Steuergeldern treiben, ob das alles sinnvoll ist und ob man für all das viele Geld nicht besser Kindergärten bauen sollte etc. Und es ist sicherlich mühsam und manchmal frustrierend, wenn man sich als Wissenschaftler, der Grundlagenforschung betreibt, ständig rechtfertigen muß, allerdings: ich glaube nicht, daß die Legitimitätsfrage neu gestellt wird, nur wenn Paula zufälligerweise ihrem Molekül das Etikett “Petra” anklebt. Man mag das kindisch finden oder unangemessen, weil es fachspezifische Komplexitäten unzulässigerweise runterbricht, aber man liefert den Forschungsskeptikern damit keine Munition. behaupte ich mal.

    Zur nächsten Frage:

    So wie Dr. Emmas Chemielabor ausgelegt ist, geht es hier NICHT um Wissenschaft.

    Hier muß ich widersprechen: denn Wissenschaft ist keineswegs nur das, was aktuell von den jeweiligen Fachleuten innerhalb der einzelnen Scientific Communities diskutiert wird. Wissenschaft ist eine Art und Weise, wie man bestimmte Zusammenhänge in der natürlichen oder sozialen Wirklichkeit beschreibt – und wenn man eben erklärt, wie Backpulver wirkt und das kompetent macht, dann ist das eine Bezugnahme auf und der Transport von Informationen (=Wissen), das eben wissenschaftlich abgesichert ist. Daß es für einen Fachmann natürlich Kinderkram ist, ist hier nebensächlich.

    Nochmal: Paula bedient sich (einfacher) wissenschaftlicher Erklärungen, insofern gibt’s doch dagegen nichts einzuwenden. Und auch nochmal zur Klarstellung: wissenschaftliche Blogs sind in meinen Augen nicht der Ort, an dem der wissenschaftliche Fachdiskurs geführt wird. Dafür gibt’s die (Online-)Journals.

    Ich selbst behaupte ja, daß es eben zwei Kriterien gibt, die es rechtfertigen, von einem Wissenschaftsblog zu sprechen:

    1. Der Blogger ist Wissenschaftler. Also ist es ein Wissenschaftlerblog. Und ob er über die letzte Konferenz bloggt oder darüber, was im Labor für Hintergrundmusik läuft, ist nebensächlich. Und ich behaupte dennoch, daß es der Sache “Wissenschaftskommunikation” dient, denn hier wird für die Leser sichtbar, daß Wissenschaftler auch “Menschen” sind und keine abgehobenen Freaks, die irgendwas geheimnisvolles tun.

    2. Der Gegenstand/Thematik ist (im weiteren Sinne) wissenschaftlich. Wenn ich als Wald- und Wiesen-Blogger darüber blogge, welche Bücher ich gelesen habe, dann ist das kein wissenschaftlicher Blog. Wenn ich das aber mit literaturwissenschaftlichem Anspruch mache, dann schon. Oder: ich bin zwar selbst Bankkaufmann, schreibe aber regelmäßig über Neuerungen im Bereich der erneuerbaren Energien, über Umweltgesetzgebung und innovative Entwicklungen aus den Fraunhofer- und MPI-Instituten dieser Welt. Dann ist es ebenso legitim diese Blogposts als “wissenschaftliche Blogposts” zu etikettieren.

    Ansonsten: mit diesen Statements stimme ich Dir natürlich zu 100% zu:

    Wenn das Ziel sein soll der Gesellschafft Verständnis für Wissenschaft zu vermitteln (…) fände ich es besonders wertvoll, wenn man präsentieren würde aus welchen zunächst nutzlosen Entdeckungen heute unverzichtbare Anwendungen entstanden sind.
    Es muss nämlich klar gemacht werden, dass die Frage “Und wozu ist das gut?” erst im Rückblick beantwortet werden kann. Folglich macht jegliche Art von Forschung Sinn auch wenn auf den ersten Blick kein Geld dabei herausspringt (meistes sogar das Gegenteil).

    Ich richte Dir liebend gerne eine Rubrik in meiner Werkstatt ein, wo Du in loser Folge genau solche Fälle präsentierst und rekonstruierst. ;-)


  7. DerOli // 4. Oktober 2008 | 21:44:

    “Ich richte Dir liebend gerne eine Rubrik in meiner Werkstatt ein, wo Du in loser Folge genau solche Fälle präsentierst und rekonstruierst.”

    Sowas hatte ich befürchtet als ich meinen Kommentar schrieb, aber vielleicht sollte man es einfach so machen. Ich überleg’s mir!

    Ansonsten bist Du natürlich in der Wissenschaftsblogszene eine Instanz und ich würde Dir schon fast zugestehen die Grenzen zu definieren. Aber andererseits sind alle Übergänge fließend :o) und ich bin trotzdem nicht ganz überzeugt, dass man schon von “ihrem wissenschaftlichen Blog” reden kann/soll/muss wenn Schulbuchwissen geblogt wird. Eigentlich ist es ja auch egal, aber es hat mich trotzdem gefreut darüber zu diskutieren.


  8. Paula Schramm // 7. Oktober 2008 | 00:11:

    Je nach Interessenslage der GesprächspartnerInnen gehe ich darauf ein warum ich trotz nicht absehbarem Nutzen daran forsche. Das habe ich nicht dazu geschrieben, weil es nicht mehr zum direkten beschreiben meiner Arbeit gehört. Ausserdem sind die meisten Personen die ich treffe recht aufgeschloßen/ gut gebildet und stellen die finazielle Frage nicht sonderlich oft. Ich hoffe das kommt jetzt nicht hochnäßig rüber, es soll eine Tatsachenbeschreibung sein.

    Jemandem der Forschung überhaupt nur in einer Nutzenrelation zu sich selber sieht erkläre ich das durchaus ausführlicher. Es ist eine gute Idee das auch mal im Blog zu tun. In dem ich eben versuche eine bunte Mischung zu posten. Und die Beschreibung in der Sidebar ist noch nicht der Weisheit letzter Schluß, die wird sich noch ändern.


  9. Henning // 7. Oktober 2008 | 00:14:

    Ich hab die letzten zwei Kommentare jetzt nur noch überflogen, will aber trotzdem ein paar Punkte loswerden.

    @DerOli
    Du meinst, Paulas Blog “Dr. Emmas Chemie-Labor” wäre keine Wissenschaft. Es geht um Chemie. Chemie ist eine Naturwissenschaft. Also geht es um Wissenschaft. Man kann ja drüber streiten, ob das Bloggen über Chemie selbst auch Wissenschaft ist, aber auf jeden Fall ist Wissenschaft – und zwar eine spezielle Naturwissenschaft, die Chemie – hier das Thema.

    Außerdem kann Wissenschaft ohne Kommunikation gar nicht funktionieren – nach innen und nach außen. Nach innen um sich fachlich auszutauschen. Außerdem baut ja jeder heutige Wissenschaftler auf dem auf, was Generationen vor ihm oder ihr erforscht haben. Keiner erfindet erst einmal nen Computer oder Strom, bevor er diese Dinge wie selbstverständlich (auch für Foschrungsarbeiten) benutzt.

    Und Kommunikation nach außen ist notwendig, um den Bestand der Forschung zu garantieren. Gerade weil sie ja zu nicht unerheblichen Teilen aus Steuergeldern finanziert wird, wollen die Steuerzahler einerseits natürlich – zu Recht – wissen, was da mit ihrem Geld passiert. Und andererseits erhöht ein Verständnis für Wissenschaft und vor allem auch für den NUTZEN von Wissenschaft, letztlich die Bereitschaft in so etwas Geld zu investieren.

    Und woran kann ich den Nutzen besser demonstrieren als an Dingen, die für uns schon selbstverständlich geworden sind und deren Fehlen uns sehr unangenehm auffallen würde. Exemplarisch wäre da die Seife zu nennen.

    Mal ganz abgesehen von dem Aspekt, dass mehr Wissen die Neugier eher beflügelt als befriedigt. Nicht umsonst fragen Kinder oft beständig nach dem “Warum?”.

    Und wenn nun mit Blogs wie dem von Paula einerseits mehr Menschen etwas von ihren für Wissenschaft ausgegebenen Steuergeldern haben, zweitens das Ansehen der Wissenschaft steigt, weil der Nutzen für die Finanziers viel besser erkennbar wird und zu alledem sogar noch der Forschungsdrang steigt und mehr Menschen in der Wissenschaft beruflich tätig werden wollen, dann ist doch der Wissenschaft damit ganz klar geholfen.

    Was ja nicht heißt, dass dir persönlich Dr. Emmas Chemie-Labor gefallen muss.


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